Rotes Kreuz Krankenhaus
25.09.2026
RKK erforscht gefährliche Lungenschäden bei Rheuma-Patienten

Bundesweite Studie zu Lungenerkrankungen bei Rheumatoider Arthritis startet – Rotes Kreuz Krankenhaus Bremen als eines von drei Leitzentren beteiligt
Rheumatoide Arthritis (RA) ist mit einer Häufigkeit die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung in Deutschland, sie betrifft 670- 840.000 Menschen. Neben den bekannten Gelenkbeschwerden kann RA auch innere Organe betreffen – besonders gefürchtet ist dabei die interstitielle Lungenerkrankung (ILD), eine fortschreitende Vernarbung des Lungengewebes. Sie zählt zu den häufigsten und schwerwiegendsten Begleiterkrankungen der Rheumatoiden Arthritis und ist für 10 bis 20 Prozent aller Todesfälle bei Betroffenen verantwortlich.
Um diese bislang unzureichend erforschte Komplikation besser zu verstehen, frühzeitig zu erkennen und künftig gezielter behandeln zu können, startet nun auf Initiative des Rotes Kreuz Krankenhaus Bremen (RKK) die bundesweite GRAIL-Studie (German RA-ILD Study Group). Das RKK ist unter Federführung von Prof. Dr. Jens Gert Kuipers, Chefarzt der Klinik für Internistische Rheumatologie, eines von drei Leitzentren in Deutschland – gemeinsam mit der Medizinischen Hochschule Hannover (Prof. Dr. Witte, der die Leitung des Projektes übernommen hat), dem Rheumazentrum Berlin Halensee (PD. Dr. Gerber und Prof. Dr. Krause) und weiteren Partnern. Wissenschaftlich begleitet wird die Studie zudem vom Deutschen Rheumaforschungszentrum (DRFZ) Berlin (unter der Leitung von Prof. Dr. Strangfeld.)
Bei bis zu 60 Prozent aller RA-Patientinnen und -Patienten lassen sich im hochauflösenden Lungen-CT bereits Veränderungen des Lungengewebes nachweisen – oft, bevor überhaupt spürbare Beschwerden wie Atemnot auftreten. In manchen Fällen zeigt sich die Lungenbeteiligung sogar, bevor die Gelenkerkrankung selbst diagnostiziert wird. Der Verlauf ist dabei sehr unterschiedlich: Während manche Betroffene über Jahre stabil bleiben, entwickelt ein Teil der Patientinnen und Patienten eine rasch fortschreitende Lungenvernarbung mit einer Prognose, die der einer idiopathischen Lungenfibrose vergleichbar ist. (Im Median liegt die Überlebenszeit ab Diagnose bei drei-fünf Jahren, wobei der Verlauf individuell sehr unterschiedlich sein kann)
Bislang lässt sich kaum vorhersagen, wer besonders gefährdet ist und welche Behandlung am besten hilft. Bekannte Risikofaktoren sind unter anderem männliches Geschlecht, Rauchen, hohe Entzündungswerte sowie bestimmte genetische Veränderungen, etwa im MUC5B-Gen. Die Hannoveraner Forschungsgruppe hat zudem erste Hinweise darauf gefunden, dass auch genetische Varianten, die sonst mit angeborenen Immundefekten in Verbindung gebracht werden, sowie Veränderungen im sogenannten JAK/STAT-Signalweg eine Rolle spielen könnten.
Ziele der Studie
Im Rahmen von GRAIL sollen über sechs Jahre hinweg 250 Patientinnen und Patienten mit neu diagnostizierter Rheumatoide-Arthritis-assoziierter Lungenerkrankung an insgesamt 25 rheumatologischen Zentren in ganz Deutschland begleitet werden. Verglichen werden sie mit einer Kontrollgruppe von RA-Betroffenen ohne Lungenbeteiligung.
Untersucht bzw. gesucht werden unter anderem:
- Genetische Risikofaktoren, insbesondere Varianten, die mit Immundefekten und dem JAK/STAT-Signalweg in Verbindung stehen
- Neuartige Autoantikörper, die auf ein begleitendes Sjögren-Syndrom hinweisen und mit einem schwereren Verlauf einhergehen könnten
- Veränderungen im Genexpressionsmuster (Transkriptom) des Blutes, die einen fortschreitenden Krankheitsverlauf frühzeitig anzeigen könnten
- Der Einfluss gängiger RA-Medikamente, etwa Methotrexat, auf den Verlauf der Lungenerkrankung
Regelmäßig erhobene Daten – von Lungenfunktion und Bildgebung bis hin zu Blut- und Gewebeproben – fließen in eine zentrale, webbasierte Datenbank ein und werden jährlich am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ) ausgewertet. Ergänzend werden Blutproben zur Genanalyse in Hannover sowie zur Transkriptomanalyse an der Universität Mainz untersucht; ein neu entwickeltes Panel aus 52 Autoantikörpern wird zusätzlich in Berlin analysiert. Die Studie wird ergänzt durch die Expertise der Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover (Prof. Dr. Jonas Schupp und PD Dr. Benjamin Seeliger), welche die radiologische Auswertung aller Lungen-CT-Aufnahmen zentral übernimmt.
„Die Ergebnisse der GRAIL-Studie sollen dazu beitragen, Risikopatientinnen und -patienten künftig früher zu identifizieren, den Krankheitsverlauf besser vorherzusagen und langfristig neue, gezieltere Therapieansätze zu entwickeln“, sagt Prof. Jens Gert Kuipers. „Erste Ergebnisse zu den neuen Autoantikörpern erwarten wir innerhalb der ersten zwei Studienjahre“.