Freie Kliniken Bremen — Vierfach umsorgt

Schlafapnoe

Schrittmacher gegen Atemstörungen

Dr. Behzad Khonsari hat mit dem Zungenschrittmacher in der HNO-Klinik des DIAKO eine neue chirurgische Behandlung bei Schlafapnoe (Atemaussetzer) etabliert. Im Interview erklärt der Oberarzt die Wirkweise und Vorteile.

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Funktion des Zungenschrittmachers:
1 Zungennerv
2 Stimulationselektrode
3 Stromzufuhr
4 Generator
5 Atemsensor
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Dr. Behzad Khonsari, Oberarzt der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde

Gesundheit:Bremen: Wann und für welche Patienten eignet sich diese chirurgische Therapie?
Dr. Behzad Khonsari: Diese Behandlung richtet sich an die Patienten mit einem sogenannten obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom – die Atemwege sind sehr verengt –, bei denen die Behandlung mit CPAP-Masken* nicht möglich ist. Unsere Therapie stimuliert gezielt die Zungenmuskulatur und behebt die Atemwegsobstruktion durch einen sogenannten Zungenschrittmacher. Wir sprechen von einem Hypoglossus-Stimulator.

Was passiert bei einem solchen Eingriff?
Das Therapiesystem besteht aus einem Atemsensor und einer Stimulationselektrode, die von einem kleinen Generator betrieben wird, ähnlich einem Herzschrittmacher. Beides wird den Patienten im Zuge eines stationären Aufenthalts eingesetzt. Am Hals wird die Stimulationselektrode implantiert, der Generator im Bereich der Brust. Der Atemsensor wird im Bereich der Zwischenrippenmuskulatur eingesetzt. Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv über drei kleine Schnitte an Hals und Brustkorb. In der Regel kann der Patient bereits am Tag der Implantation wieder normal essen und sprechen. Die vollständige Einheilung des Systems dauert etwa zwei bis vier Wochen.

Wie funktioniert diese Technik gegen Atemaussetzer?
Das System misst kontinuierlich den Atemrhythmus des Patienten im Schlaf und passt sich der natürlichen Atemfrequenz an. Beim Einatmen wird die Zungenmuskulatur, genauer gesagt der Zungennerv, durch eine Elektrode stimuliert. Sie verhindert, dass die Zunge im Schlaf erschlafft, zurückfällt und die Atemwege verschließt. So kann die Luft ungehindert in die Lunge strömen. Atemaussetzer sowie weitere Symptome der obstruktiven Schlafapnoe wie Schnarchen treten nach dieser Behandlung deutlich seltener auf. Studien belegen sogar eine Reduzierung um knapp 80 Prozent.

Wie sieht die Handhabung aus, läuft das System automatisch?
Es ist denkbar einfach: Der Patient schaltet das System vor dem Schlafengehen mit einer Fernbedienung per Knopfdruck ein und am Morgen nach dem Erwachen wieder aus, das ist schon alles.

Das Gespräch führte Ingo Hartel*

* Eine sogenannte CPAP-Maske kann mittels Überdruck nachts die Atemwege offen halten. Doch einige Patienten vertragen sie nicht oder leiden beim Tragen unter Beklemmungen.

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Schlafapnoe

Das Schlafapnoe-Syndrom (SAS) ist ein Beschwerdebild, das durch periodische Atemstörungen während des Schlafs verursacht wird. Atemstillstände (Apnoe; vom griechischen ›ápnoia‹: Windstille) führen zu einer verringerten Sauerstoffversorgung bei gleichzeitigem Anstieg des Kohlendioxidgehalts im Blut: Folge ist die Ausschüttung von Stresshormonen. SAS-Patienten leiden unter einer ausgeprägten Tagesmüdigkeit bis hin zum Einschlafzwang (Sekundenschlaf). Es gibt zudem eine Reihe weiterer Symptome und Folgeerkrankungen, darunter Herzinfarkt, Diabetes mellitus oder Schlaganfall.

Kontakt

Dr. Behzad Khonsari
Oberarzt der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
0421 6102-1301
hno@diako-bremen.de

DIAKO Ev. Diakonie-Krankenhaus
Gröpelinger Heerstraße 406-408
28239 Bremen
www.diako-bremen.de

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