Freie Kliniken Bremen — Vierfach umsorgt

Magenkrebs

Individueller Plan gegen den Krebs

Patienten mit Magenkrebs bietet ein radikaler Eingriff die einzige Chance auf Heilung. Auch älteren Betroffenen können die Mediziner im St. Joseph-Stift oft noch einige Lebensjahre schenken.

Von Anja Maria Ladewig

22 S06 01
Sorgfältige Voruntersuchungen sind die Grundlage jedes Behandlungsplans. Bei der Magenspiegelung klärt Privatdozent Dr. Christian Pox mit einem kritischen Blick auf den Monitor Verdachts­momente ab und kann sehr kleine Tumore sofort ent­fernen.

»Ob ich das überlebe?« Diese Frage drängt sich Herbert T. unmittelbar nach der Diagnosestellung auf. Seit einigen Wochen plagten den 76-Jährigen Schmerzen im Oberbauch und ein Völlegefühl. Dass sein Appetit nachließ, kam ihm bei der häufigen Übelkeit zunächst eher noch entgegen. Als er aber selbst den Morgenkaffee nicht mehr verträgt, wendet er sich schließlich an seinen Hausarzt. Dieser überweist ihn zur Magenspiegelung (Gastroskopie) in die Medizinische Klinik des St. Joseph-Stift Bremen. In der auf Magen- und Darmkrankheiten (Gastroenterologie) spezialisierten Klinik wird an seiner Magenschleimhaut ein Tumor gefunden.

Chefarzt Privatdozent Dr. Christian Pox geht mit ­Herbert T. den vorliegenden Befund und das weitere Vorgehen durch. Mit Labor-, Ultraschall- und Röntgen­untersuchungen soll festgestellt werden, wie weit sich der Tumor ­bereits ausgebreitet hat, ob Lymphknoten befallen sind oder sich Metastasen gebildet haben. Je sorgfältiger alle Vor­untersuchungen durchgeführt werden, desto konkretere Angaben erhalten die weiterbehandelnden Fachärzte, wie beispielsweise der operierende Chirurg. Dieses Wissen beeinflusst maßgeblich den Verlauf und den ­Erfolg der Behandlung.

Privatdozent Pox spricht mit Herbert T. auch über dessen allgemeines Befinden und klärt bereits bestehende Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck und Herzstolpern ab. Um eine Operation wird er nicht herumkommen: »Sehr kleine Tumore können wir endoskopisch entfernen, dieser ist zu groß«, erklärt der Gastroenterologe. Doch noch bleibt seinem Patienten Zeit. Tumore an der Magenschleimhaut treten vergleichsweise selten auf und ihre Entwicklung dauert oft mehrere Monate, manchmal Jahre.

Ein erfahrenes Team aus Onkologen, Chirurgen und Psychologen wird Herbert T. einen individuellen ­Behandlungsplan erstellen. »Dabei versuchen wir, verschiedene Fragen im Vorfeld zu beantworten: Welche Begleiterkrankungen liegen vor? Wie mobil ist der Patient? Wie steht es um seine Motivation und den seelischen Zustand?«, erklärt Professor Dr. Wolfgang Sendt, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des St. Joseph-Stift. Erst die Berücksichtigung vieler verschiedener Aspekte führe zum eigentlichen Behandlungsplan. »In diesem Vorgehen sehen wir den Schlüssel zum ­Behandlungserfolg nicht nur für ältere Menschen mit Magenkrebs, sondern ganz generell bei der Krebs­therapie«, erklärt der routinierte Chirurg.

Interne Studie mit älteren Krebspatienten

Über einen Zeitraum von elf Jahren hat Sendts Klinik im Rahmen der internen Qualitätssicherung mehr als 200 Fälle der eigenen Arbeit analysiert. Im Fokus standen dabei die Fragen, inwieweit die Therapie von Magenkrebs auch bei Patienten höheren Alters möglich ist und welchen Einfluss das Alter auf die Chance hat, die Erkrankung zu überleben. In der Studie war etwa jeder zweite Patient mit Magenkrebs (56 Prozent) bereits über 70 Jahre alt, 18 Prozent sogar älter als 80 Jahre. »Im Vergleich zu Patienten unter 75 Jahren hatten ältere häufiger bestehende ­Begleiterkrankungen. Das führte rund um die Operation zwar zu mehr behandlungsbedürftigen Situationen, hatte aber keinen Einfluss auf mögliche chirurgische Kom­pli­kationen oder die Sterblichkeitsrate«, erläutert Professor Sendt.

Während eines mehrstündigen Eingriffs wird der ­Chirurg Herbert T. einen Teil des Magens entfernen und den verbleibenden Teil direkt mit dem Darm verbinden. »Je nach Ausbreitung und Lage des Tumors ist in einigen Fällen zusätzlich die Entfernung des ganzen Organs ­notwendig«, so Professor Sendt und bekräftigt: »Die einzige Option auf Heilung bietet eine radikale Operation, bei der sowohl der Tumor als auch alle in seiner Umgebung befindlichen Lymphknoten vollständig entfernt werden.«

Herbert T. ist zuversichtlich, doch ein Rest Ungewissheit bleibt. Eine begleitende Chemotherapie im Vorfeld der Operation könnte seinen Tumor verkleinern und die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls verringern. Ob diese Möglichkeit für ihn infrage kommt, werden ­weitere ­Untersuchungen zeigen. Dank des Teams aus erfahrenen Spezialisten weiß er sich im St. Joseph-Stift in guten ­Händen.

Kontakt

Prof. Dr. Wolfgang Sendt
Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
0421-347-1202

PD Dr. Christian Pox
Chefarzt der Medizinischen Klinik / Innere Medizin
0421-347-1102
darmkrebszentrum@sjs-bremen.de

Krankenhaus St. Joseph-Stift Bremen
Schwachhauser Heerstraße  54
28209 Bremen
www.sjs-bremen.de

Das könnte Sie auch interessieren

Artikel laden

Gesundheit : Bremen 22

Inhaltsübersicht laden