Freie Kliniken Bremen — Vierfach umsorgt

Darmkrebs

Spurensuche im Stammbaum

In der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Rotes Kreuz Krankenhaus ist Chefarzt Dr. Jörn Gröne spezialisiert auf die Behandlung von Dickdarmtumoren und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

Von Dorothee Weihe

21-12
Besteht der Verdacht, dass eine Darmkrebserkrankung genetische Ursachen hat, wird der Chirurg Dr. Jörn Gröne zum Ahnenforscher.

Robin ist auf Freiersfüßen: Der junge Franzose möchte in Deutschland um die Hand seiner Verlobten anhalten. Was er jetzt gar nicht gebrauchen kann, sind die schrecklichen Bauchschmerzen, die ihn plötzlich heimsuchen. Die besorgten Schwiegereltern in spe bringen ihn ins Krankenhaus.

Dort versorgen Privatdozent Dr. Jörn Gröne, seit Juni Chefarzt im RKK, und sein Team zunächst Robins akuten Darmverschluss. Bei einer Notoperation entdecken sie dessen Ursache – und beseitigen den Dickdarmtumor (kolorektales Karzinom) vollständig. Ein Pathologe präzisiert die Diagnose nach der Operation: Dickdarmkrebs mit befallenen Lymphknoten. Chirurg Gröne geht auf Spurensuche. Was führt bei einem jungen Mann zu einem Tumor, der bei mehr als neunzig Prozent der Patienten erst im höheren Alter auftritt?

»Zunächst haben Robin und ich akribisch seinen 
Familienstammbaum analysiert. Die Mutter kam früh bei einem Autounfall ums Leben, Tante und Großmutter mütterlicherseits waren an Darmtumoren gestorben. Der Verdacht auf ein HNPCC – auch Lynch-Syndrom genannt –, die häufigste erbliche Darmkrebsform, lag nah«, beschreibt RKK-Darmkrebsexperte Gröne die Summe der Auffälligkeiten. Zusätzlich lässt er Blut und Tumorgewebe auf Genveränderungen (Mutationen) untersuchen. Und tatsächlich: Die beauftragten Humangenetiker finden einen erblichen genetischen Defekt.

Während Robin sofort mit der Chemotherapie beginnt, kontaktiert Gröne die Familie in Frankreich. Dort muss nun aufwendig analysiert werden, ob auch andere blutsverwandte Familienmitglieder das mutierte Gen in sich tragen – die Wahrscheinlichkeit hierfür liegt bei fünfzig Prozent. »Auch Krebstumore in der Gebärmutter, dem Harnleiter oder Dünndarm können in Zusammenhang mit erblichem Dickdarmkrebs stehen. Das kann nur ein Fachmann abklären«, ergänzt der Chefarzt, der 16 Jahre im Universitätsklinikum Charité in Berlin gearbeitet hat.

Den Krebs unter Kontrolle halten

Für Verwandte von Patienten mit Lynch-Syndrom bedeutet dies bereits in jungen Jahren eine sehr intensive Vorsorge, damit Tumore so früh wie möglich entdeckt werden, vor allem durch regelmäßige Darmspiegelungen.

Radikaler gehen Chirurgen bei der ebenfalls erblichen Familiären Adenomatösen Polyposis (FAP) vor: Der Gendefekt verursacht schon im jugendlichen Alter Hunderte bis Tausende Polypen, aus denen Dickdarmkrebs entsteht. Trägern des defekten Gens wird empfohlen, vorsorglich den gesamten Dickdarm chirurgisch entfernen zu lassen: »In einem minimalinvasiven Schlüssellocheingriff entfernen wir den Dickdarm und konstruieren aus der letzten Dünndarmschlinge ein Reservoir (Pouch). Dieses verbinden wir mit dem Schließmuskel und vermeiden so einen künstlichen Darmausgang«, beschreibt Gröne. Bei beiden erblichen Darmkrebsformen sind nach der Operation engmaschige endoskopische und klinische Kontrollen notwendig, um bei Bedarf sofort reagieren zu können.

Und Robin? Der junge Franzose kann erst mal durchatmen – denn was immer kommen mag: Die Liebste hat Ja gesagt.

Kontakt

PD Dr. Jörn Gröne
Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
0421-5599-241
weihe.d@roteskreuzkrankenhaus.de

Rotes Kreuz Krankenhaus

St.-Pauli-Deich 24

28199 Bremen
www.roteskreuzkrankenhaus.de

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