Freie Kliniken Bremen — Vierfach umsorgt

Hilfsangebote in der Klinik

Meine Stütze in der Krankheit

Ein Krankenhausaufenthalt wirft bei Patienten und ihren Angehörigen viele Fragen auf. Ärzte und Pflegekräfte sind bei medizinischen Themen die ersten Ansprechpartner. Doch die Hilfsangebote der Freien Kliniken Bremen reichen darüber weit hinaus.

Von Thomas Joppig

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Im Einsatz für Patienten und ihre Angehörigen: DIAKO-Seelsorger Thomas Rothe, …

Thomas Rothe ist evangelischer Pastor und arbeitet als Seelsorger im DIAKO Ev. Diakonie-Krankenhaus. Schwerpunktmäßig begleitet er Patienten mit Krebserkrankungen. »Eine Krebsdiagnose wird oft wie ein Erdbeben erlebt«, sagt er. »Alles gerät ins Wanken, die körperliche, die psychische und die spirituelle Dimension unseres Lebens.« Seine Aufgabe sei es, Menschen zuzuhören, sie zu stützen und zu begleiten, sodass sie in der Erschütterung Halt finden, so gut es geht. »Dabei möchte ich Menschen in ihren persönlichen Bewältigungsstrategien stärken, in dem, was ihnen in früheren Krisen geholfen hat.« Halt gibt die Gewissheit, beim Behandlungsteam in guten Händen zu sein. Halt gibt das persönliche Umfeld. Und Halt wird manchmal ganz neu gefunden in Glaube und Spiritualität. Weil nahestehende Menschen durch die Erkrankung ebenfalls verunsichert und erschüttert sind, gilt das Angebot von Krankenhausseelsorge und Psychologischem Dienst auch ihnen.

Vielfältige Hilfsangebote

Evangelische und katholische Seelsorger wie Thomas Rothe arbeiten in allen vier Freien Kliniken Bremen. Sie sind eingebunden in ein engmaschiges Netzwerk von Psychologen, Ärzten, Pflegekräften, Patientenfürsprechern, Sozialdienstmitarbeitern und Ehrenamtlichen. »Wenn jemand zum ersten Mal in ein Krankenhaus eingewiesen wird, ist es für ihn anfangs nicht leicht, all diese verschiedenen Hilfsangebote zu überblicken«, sagt Jens Bergmann, Pflegedirektor der Roland-Klinik. Er rät Patienten und Angehörigen deshalb, ohne Scheu Fragen zu stellen und eigene Bedürfnisse rund um den Klinikaufenthalt und die Zeit danach offen zu benennen. »Natürlich kann nicht jeder Krankenhausmitarbeiter alle Fragen beantworten und alle Probleme lösen. Aber er kann oft jemanden vermitteln, der weiterhilft«, sagt Bergmann.

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… Jens Bergmann, Pflegedirektor der Roland-Klinik, …

Sorgen, Ängste und Wünsche frei ansprechen – damit sollten Patienten bereits beim Vorgespräch beginnen, empfiehlt Bergmann. »Bei geplanten Operationen können die Mitarbeiter des Sozialdienstes zum Beispiel schon vorab sicherstellen, dass der Patient in den Tagen nach der Entlassung zu Hause pflegerische Unterstützung bekommt.« Bei Kindern bis zu 7 Jahren kann oft sogar eingeplant werden, dass ein Elternteil im selben Zimmer übernachtet. Auch starre Besuchszeiten gehören in den meisten Krankenhäusern längst der Vergangenheit an. Als Faustregel gilt, dass man Patienten am besten nachmittags oder am frühen Abend besucht, da Behandlungen und Arztvisiten oft vormittags stattfinden und die Nachtruhe zwischen 20 und 21 Uhr beginnt.

Für Krankenhausmitarbeiter sind die komplexen Arbeitsabläufe in der Klinik Alltag. Besorgte Angehörige erleben Krankenhäuser dagegen ganz anders. Für Alwin Rusche war es daher ein aufschlussreicher Perspektivwechsel, als er selbst ein Familienmitglied in ein Krankenhaus begleitete. »Plötzlich saß ich vor den geschlossenen Türen der Intensivstation. Und je länger ich warten musste, desto mehr Sorgen machte ich mir«, so der stellvertretende Leiter des Pflegeteams auf der Intensivstation des Rotes Kreuz Krankenhaus (RKK).

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…RKK-Intensivpfleger Alwin Rusche …

Unter dem Eindruck dieser Erfahrung entwickelte er mit seinen Kolleginnen ein Konzept für eine ›Angehörigenfreundliche Intensivstation‹. Alle Abläufe kamen auf den Prüfstand – so dokumentieren die Pflegekräfte auf zusätzlichen Kontaktbögen ihre Gespräche mit den Angehörigen ebenso wie die mit Krankengymnasten, Sozialdienstmitarbeitern und Seelsorgern. Letztere werden bei der Aufnahme automatisch informiert. Fallbesprechungen finden auf Wunsch mit allen beteiligten Berufsgruppen und den Angehörigen gemeinsam statt. Der Wartebereich wurde neu gestaltet und mit Mitarbeiterfotos versehen, außerdem wurde ein Rückzugsraum für persönliche Gespräche eingerichtet. Damit sie sich etwas weniger hilflos fühlen und dem Patienten beistehen können, werden die Angehörigen so weit wie möglich mit kleineren pflegerischen Handreichungen, wie Gesicht waschen oder 
Essen reichen, in die Abläufe eingebunden.

Ehrenamtliche nehmen sich Zeit

Angehörigenfreundlichkeit wird auch auf der als solche zertifizierten Intensivstation des St. Joseph-Stift großgeschrieben. Jedoch hat nicht jeder Krankenhauspatient Menschen vor Ort, die sich um ihn kümmern. Da ist es gut zu wissen, dass es im Krankenhaus Ehrenamtliche gibt, die für alle Patienten da sind, die sich über Besuch freuen. Die Grünen Damen und Herren im RKK und die Christliche Krankenhaushilfe (CKH) im St. Joseph-Stift haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihnen Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken: »Dabei geht es vor allem ums Zuhören und manchmal auch um praktische Kleinigkeiten: eine Zeitschrift vom Kiosk holen, etwas vorlesen oder das Frühstück in mundgerechte Häppchen schneiden«, sagt Gerdi Quesse, eine der beiden Leiterinnen der CKH im St. Joseph-Stift.

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… und Ehrenamtskoordinatorin Gerdi Quesse aus dem St. Joseph-Stift.

Eine Patientengruppe steht in ihrem besonderen Fokus: Demenzpatienten ohne Angehörige, die besondere Aufmerksamkeit brauchen. Im St. Joseph-Stift arbeiten deshalb seit drei Jahren 14 ehrenamtliche Demenz-Lotsen – und der Name ist durchaus wörtlich zu verstehen, wie Quesse weiß. »Altersverwirrte Menschen haben oft einen großen Bewegungsdrang. Aber es fällt ihnen schwer, sich auf den Klinikfluren zurechtzufinden.« Deshalb gehen die Lotsen regelmäßig mit dementen Patienten im Haus und Garten spazieren, hören ihnen zu oder suchen mit ihnen im Zimmer nach verlegten Dingen.

Die Ehrenamtlichen in den Krankenhäusern suchen immer neue Freiwillige. »Gerade ältere Patienten, die unerwartet ins Krankenhaus gekommen sind, freuen sich sehr über Zuwendung und kleine, praktische Hilfestellungen«, weiß Quesse. »Wir bekommen sehr viel Dankbarkeit zurück.«

Kurz & knapp

Ehrenamt im Krankenhaus

Das Ehrenamt im Krankenhaus ist vielseitig und abwechslungsreich. Die ehrenamtlichen Helfer in den Freien Kliniken Bremen freuen sich über Verstärkung.

Krankenhaus-Seelsorge im DIAKO:
Thomas Rothe
Telefon: 0421-6102-1970 

E-Mail: t.rothe@diako-bremen.de

Christliche Krankenhaushilfe im St. Joseph-Stift:
Gerdi Quesse
Telefon: 0421-347-1768 

E-Mail: gquesse@sjs-bremen.de

Grüne Damen und Herren im Rotes Kreuz Krankenhaus:
Christel Menzer
Telefon: 04207-2453

E-Mail: cdmen@kabelmail.de

Kontakt

Krankenhaus-Seelsorge im DIAKO
Thomas Rothe
0421-6102-1970
t.rothe@diako-bremen.de

Christliche Krankenhaushilfe im St. Joseph-Stift

Gerdi Quesse
0421-347-1768
gquesse@sjs-bremen.de

Grüne Damen und Herren im Rotes Kreuz Krankenhaus
Christel Menzer
04207–2453
cdmen@kabelmail.de

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