Selbstbestimmte Geburt
Neues Kreißsaal-Konzept für natürliche Geburten
Die Geburtshilfe im St. Joseph-Stift geht moderne Wege, um Frauen ein selbstbestimmtes Geburtserlebnis zu ermöglichen. Frisch fertiggestellt: der neue Kreißsaal-Bereich mit Wohlfühlatmosphäre und vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten für Gebärende.


Geburt in Bewegung
Das Team der Geburtshilfe des St. Joseph-Stift hat ein umfassendes Konzept erarbeitet, um Frauen von der Schwangerschaft über die Geburt bis zum Wochenbett noch bedürfnisorientierter zu betreuen. Der Ansatz ›Geburt in Bewegung‹ basiert auf langjähriger Erfahrung und der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass Bewegung in verschiedenen Körperhaltungen den natürlichen Geburtsprozess erleichtert.
»Als letzten Baustein haben wir die Kreißsäle zusammen mit der Firma ›Bauhof Wohnimpuls‹ zu einem geschützten Ort umgestaltet, an dem sich die Gebärenden rundum wohl und geborgen fühlen können«, erklärt die leitende Oberärztin Dr. Julia Walkenhorst. »Unser Be-Up-Kreißsaal1 bietet die Möglichkeit, unterschiedliche aufrechte Körperhaltungen einzunehmen, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, eine natürliche Geburt zu erleben. Dabei kann auf Bodenmatratzen, verschieden große Schaumstoffwürfel oder Gebärhocker zurückgegriffen werden.
Auch das Konzept ›Spinning Babies‹ kommt zum Einsatz. Gezielte Übungen helfen hierbei, Muskeln, Gelenke und Bänder im Unterleib der Frau ins Gleichgewicht zu bringen, was dem Baby seinen Weg durch den Geburtskanal erleichtert.


Vielfältige Unterstützung
Jede Gebärende wird bedürfnisorientiert und in der Regel 1:1 hebammenseitig begleitet. Für die Schmerzlinderung stehen während des Geburtsprozesses alle Verfahren von der Akupunktur bis zum Lachgas zur Verfügung. Eine Besonderheit ist die ›Walking PDA‹2, die es ermöglicht, auch mit einer Betäubung im Rückenmark beweglich zu bleiben. Die Kaiserschnittquote im St. Joseph-Stift lag 2025 mit 26,3 Prozent (davon etwa die Hälfte geplant) deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 32,6 Prozent – ein Ergebnis der intensiven Begleitung und Methodenvielfalt. Sollte dennoch ein Kaiserschnitt angezeigt sein, wird alles dafür getan, Mutter und Kind einen guten Start zu ermöglichen.
»Beim sogenannten Sectio Bonding legen wir den Müttern das Neugeborene direkt auf die nackte Haut. Das Baby erkennt den bereits vertrauten Herzschlag und die Stimme seiner Mutter, lernt ihren Geruch kennen«, so Walkenhorst. Sowohl Mutter als auch Neugeborenes profitieren: Das Kind passt sich schneller an, die Stillbeziehung wird verbessert, der Kreislauf der Mutter stabilisiert sich und das Risiko für Wochenbettdepressionen sinkt. Um die Schmerzen nach einem Kaiserschnitt so erträglich wie möglich zu machen, setzt das Team der Anästhesie den sogenannten TAP-Block3 ein. Damit wird der Wundschmerz für 12 bis 24 Stunden reduziert. Im Gegensatz zu stark wirksamen Schmerzmedikamenten gelangt dieses nicht in die Muttermilch und ermöglicht den Frauen zudem, schneller wieder in Bewegung zu kommen.

Die ersten Schritte
Auch nach der Entbindung werden Mutter und Kind von der Geburtshilfe weiter unterstützt. Angelika Tscheu, leitende Hebamme, erklärt: »Aus dem Kreißsaal-Team macht täglich jeweils eine Hebamme Wochenbettbesuche, ähnlich wie die Nachsorgehebamme später zu Hause. Ergänzt wird dies durch die wertvolle Arbeit der Kolleginnen der Kranken- und Kinderkrankenpflege.« Auf Wunsch steht den Müttern ein Familienzimmer zur Verfügung und sie können bis zur Neugeborenen-Untersuchung U2 auf der Station bleiben.
Die Untersuchung übernehmen die Kinderärzt:innen des Klinikums Bremen-Mitte, die rund um die Uhr im St. Joseph-Stift vor Ort sind. Bei Bedarf stehen die Babylotsen der Caritas den Eltern in der ersten Zeit mit Kind bei organisatorischen wie psychischen Herausforderungen zur Seite. Das Kursprogramm von Elternschule und physicum proFamily im St. Joseph-Stift rundet das Angebot ab – von der Geburtsvorbereitung über Wochenbettgymnastik bis zum Familienvorbereitungskurs.
Informationsabende für werdende Eltern 2026 finden Sie hier.
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Be-Up steht für ›Birth environment – Upright position‹, frei übersetzt: Gebärumgebung – aufrechte Körperhaltung. ↩︎
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Eine PDA (Periduralanästhesie) ist eine über das Rückenmark gesteuerte lokale Betäubung, die eine zeitweilige Schmerzfreiheit des Hüftbeckenbereichs bewirkt. ↩︎
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Während die Regionalanästhesie nach dem Kaiserschnitt noch wirkt, wird unter Ultraschallkontrolle ein Lokalanästhetikum zwischen zwei Muskelschichten der Bauchwand gespritzt. ↩︎
Kontakt
Anmeldung zur Geburt
0421 347-1388
Montags, mittwochs und donnerstags in der Zeit von 9–12 Uhr
Krankenhaus St. Joseph-Stift
Schwachhauser Heerstraße 54
28209 Bremen
sjs-bremen.de
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