Chronische Nierenerkrankungen
Früher erkennen, besser behandeln
Weitverbreitet, aber wenig bekannt: chronische Nierenerkrankungen. Eine frühzeitige Diagnose und innovative Therapien im Rotes Kreuz Krankenhaus können den Verlauf entscheidend verbessern.

1. Die Arterie transportiert mit Abfallstoffen belastetes Blut in die Niere.
2. In den Nierenkörperchen wird das Blut gereinigt.
3. Durch die Vene fließt gereinigtes Blut zurück in den Blutkreislauf.
4. Im Harnleiter werden Abfallstoffe per Urin zur Harnblase transportiert und ausgeschieden.

1. Blutdruck optimal einstellen
2. Nierenschädigende Medikamente vermeiden
3. Regelmäßig bewegen
4. Gesund ernähren
5. Aufs Rauchen verzichten
6. Alkohol konsequent meiden
Die Nieren filtern Abfallstoffe aus dem Blut, regulieren den Flüssigkeits- und Säurehaushalt des Körpers sowie die Blutsalze, sie bilden Hormone und steuern den Blutdruck. »Von einer chronischen Nierenerkrankung sprechen wir, wenn die Nieren über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten in ihrer Funktion beeinträchtigt sind«, erklärt Professor Dr. Stefan Herget-Rosenthal, Nierenexperte und Chefarzt der Medizinischen Klinik im Rotes Kreuz Krankenhaus. Zu den häufigsten Ursachen zählen Bluthochdruck, Diabetes und Fettleibigkeit. Entzündliche, rheumatologische und genetische Krankheiten sowie die regelmäßige, langfristige Einnahme von nierenschädigenden Medikamenten, zum Beispiel Ibuprofen, können ebenfalls eine Rolle spielen.
Die langsame Verschlechterung der Nierenleistung bleibt oft über Jahre hinweg unbemerkt. »Das Gefährliche ist, dass zunächst kaum Symptome auftreten. Betroffene bemerken Anzeichen wie Müdigkeit, Wasseransammlungen oder Blut im Harn meist erst im fortgeschrittenen Stadium«, warnt der Experte. Nimmt die Nierenfunktion weiter ab, können Herzinfarkt, Schlaganfall, die Neigung zu schweren Infektionen, Osteoporose oder eine schwere Blutarmut auftreten – bis hin zum völligen Funktionsverlust der Nieren. Dann ist die Dialyse oder sogar eine Nierentransplantation meist unumgänglich.
In Deutschland sind aktuell etwa 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen von einer chronischen Nierenerkrankung betroffen. Es wird erwartet, dass diese 2040 weltweit zu den fünfthäufigsten Todesursachen zählt. Umso wichtiger ist die frühzeitige Diagnose: Urintest und Blutuntersuchung können Hinweise auf eine beginnende Nierenschwäche liefern. »Wer aufgrund der bereits genannten möglichen Ursachen oder einer Familiendisposition zur Risikogruppe gehört, sollte die Nierenfunktion regelmäßig ärztlich kontrollieren lassen«, betont der Spezialist.
Bei einer chronischen Erkrankung spielen neben der Behandlung der Ursachen medikamentöse Therapien eine wichtige Rolle. »Oberstes Ziel ist es, die Nierenfunktion zu erhalten und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Dafür verfügen Nierenspezialistinnen und -spezialisten heute über neue Möglichkeiten, beispielsweise durch Arzneistoffe, die ursprünglich als Antidiabetika – also zur Blutzuckersenkung – entwickelt wurden. Erst viel später erkannte man, dass sie auch positiv auf die Nierenfunktion wirken – das war ein entscheidender Durchbruch«, so Herget-Rosenthal. Ein spezifischer Hormonblocker ist ein weiteres Medikament, das speziell bei Diabetiker:innen das Fortschreiten der Nierenerkrankung hemmt. Selbst bei Autoimmunerkrankungen als Auslöser für Nierenschwäche und -versagen gibt es heute neue Medikamente, die auf die Ursache einwirken.
Wie der Körper auf Medikation und Behandlungsansätze reagiert, ist sehr verschieden. »Die jeweils beste Behandlungsstrategie mit entsprechend individuell angepasster Therapie ist so unterschiedlich wie die Ausgangssituationen der Patient:innen«, erläutert der Facharzt. Ist die Nierenfunktion nicht mehr ausreichend vorhanden, wird die Dialyse zur lebensnotwendigen Behandlung. Mittels ›Blutwäsche‹ werden dann Giftstoffe sowie überschüssiges Wasser wirksam entfernt und der Mineral- und Säure-Basen-Haushalt des Körpers ausgeglichen.

Wichtigster Aspekt der Behandlung einer chronischen Nierenentzündung ist das Senken des Bluthochdrucks. Entscheidend ist außerdem, nicht zu rauchen – auch keine E-Zigaretten – und möglichst wenige nierenschädigende Medikamente einzunehmen. »Günstig wirken sich körperliche Aktivität und eine leichte, ausgewogene Kost aus. Vieles davon liegt in unserer eigenen Hand«, so Professor Herget-Rosenthal.
»Unser oberstes Ziel ist immer, die Nierenfunktion zu erhalten und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.«
Professor Dr. Stefan Herget-Rosenthal
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Nierenheilkunde mit Tradition
1969 wurde im RKK die erste Dialysestation Bremens eröffnet. Die Diagnostik und Therapie von akuten und chronischen Nierenerkrankungen sowie die Vorbereitung und Durchführung von Nierenersatzverfahren gehören seitdem zu den Kernkompetenzen. Auch auf die Behandlung komplizierter Fälle von Bluthochdruckerkrankungen hat man sich im RKK spezialisiert. Das Dialysezentrum bietet alle bewährten Verfahren zur Hämodialyse und Hämofiltration an, auch die Bauchfelldialyse. Mittels Plasmaseparation können gefährliche Antikörper bei speziellen Immunerkrankungen der Rheumatologie aus dem Blutplasma entfernt werden.
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Professor Dr. Stefan Herget-Rosenthal
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Rotes Kreuz Krankenhaus
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