Freie Kliniken Bremen — Vierfach umsorgt

Harnblasenkrebs

Die körpereigenen Killerzellen stärken

Seit 2018 bietet die Klinik für Urologie und Kinderurologie des DIAKO bei oberflächlichen Hochrisiko-Harnblasenkarzinomen neben der Standard­therapie eine zweite Behandlung an, die gute Erfolge erzielt: eine sogenannte Thermo-Chemotherapie namens HIVEC.

Ingo Hartel

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Chefarzt Dr. Martin Sommerauer und Oberarzt Dr. Xiyuan Guo haben die schonende Behandlung gemeinsam im DIAKO etabliert.

Die Abkürzung HIVEC steht für hyperthermische intravesikale1 Chemotherapie. Dabei wird die Blase mit einem erwärmten Krebsmedikament gespült. Chefarzt Dr. Martin Sommerauer, der diese Behandlung zusammen mit dem Oberarzt Dr. Xiyuan Guo im DIAKO etabliert hat, betont den Vorteil des Konzeptes. Durch die Temperatur erhöhe sich die Wirksamkeit des Zytostatikums2 erheblich, Krebszellen könnten wesentlich effektiver abgetötet werden. Er erläutert: »Das HIVEC-Verfahren ist eine gute Option für eine bestimmte Gruppe von Patient:innen. Sie kommt nach Blasentumoroperationen zum Einsatz, um das Risiko zu reduzieren, dass sich erneut Tumorzellen bilden und die Krebserkrankung fortschreitet.« Gerade bei oberflächlichem Blasenkrebs komme es in bis zu 75 Prozent der Fälle zur Bildung neuer Tumore (Rezidive). Sein Kollege Guo ergänzt: »Die HIVEC-Therapie kann ausschließlich bei solchen oberflächlichen Karzinomen angewendet werden, allerdings nicht bei einem muskelinvasiven, also bereits in die Muskulatur eingewachsenen Harnblasenkarzinom.«

Die beiden Urologen berichten, dass durch den Einsatz der Hyperthermie das Immunsystem stimuliert wird, wodurch die Wirksamkeit des Therapeutikums inzwischen fast verzehnfacht werden konnte. »Positiv ist zudem: In den rund drei Jahren, in denen wir diese Therapiemethode anbieten, haben wir festgestellt, dass sie gut vertragen wird«, so Sommerauer weiter. »Bisher waren keine ernsthaften Nebenwirkungen zu beobachten.«

Guo berichtet, für die Behandlung sei nur ein kleines Gerät namens ›COMBAT-BRS-System‹ erforderlich. »Es steht neben der Behandlungsliege und ist über einen geschlossenen Kreislauf aus kleinen Schläuchen an den Blasenkatheter angeschlossen.« Darin werde das Zytostatikum auf 43 Grad Celsius erwärmt und zirkuliere vier Mal pro Minute durch das Organ. »So wird sichergestellt, dass es auf einer konstanten Temperatur gehalten und gleichmäßig im Organ verteilt wird«, erläutert Guo. Durch die Erwärmung wirke das Mittel effektiver und könne darüber hinaus tiefer in die Blasenwand eindringen und Krebszellen besser zerstören.

Eine HIVEC-Behandlung dauere etwa 60 Minuten. Insgesamt seien sechs Sitzungen in wöchentlichen Abständen erforderlich, beschreibt Sommerauer den Ablauf. Anschließend werde die Behandlung beim niedergelassenen Urologen fortgeführt. »Wir haben zu diesem Thema bereits eine Fortbildung im DIAKO veranstaltet. Unser Ziel ist es, in enger Zusammenarbeit mit den Fachmediziner:innen in Bremen und Umgebung die Behandlung von Blasenkrebs langfristig weiter zu verbessern und das Risiko eines Rückfalls zu verringern.«


  1. Hyperthermie = Überwärmung, intravesikal = innerhalb der Harnblase 

  2. Zytostatikum = Chemotherapeutikum/Zellgift, hemmt die Entwicklung und Vermehrung von schnell wachsenden Zellen 

Kontakt

Dr. Martin Sommerauer
Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie
0421 6102-741
urologie@diako-bremen.de

DIAKO Ev. Diakonie-Krankenhaus
Gröpelinger Heerstr. 406-408
28239 Bremen
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