Freie Kliniken Bremen — Vierfach umsorgt

Herzinfarkt

Infarkt mit ungewöhnlichen Anzeichen

Einem Herzinfarkt können auch untypische Symptome vorausgehen. Deshalb gilt im Rotes Kreuz Krankenhaus: genau hinschauen, richtig entscheiden, schnell handeln.

Von Dorothee Weihe

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Andreas Nustede wohnt in der Nähe des Rotes Kreuz Krankenhaus. Zu Fuß machte sich der gebürtige Bremer auf den Weg in die Klinik, dort stellte sich heraus, dass er einen Herzinfarkt erlitten hatte.

Bärbel Henkensiefken, Medizinische Fachangestellte in der Zentralen Notaufnahme, ist skeptisch. Der 40-jährige Mann, der da am Aufnahmetresen vor ihr steht, redet von einer Muskelzerrung und klagt über Rücken- und Schulterschmerzen. Dabei ist Andreas Nustede schweißüberströmt, blass und schwankt. Da passt etwas nicht zusammen, findet die Medizinische Fachangestellte. Sie veranlasst seine sofortige Untersuchung und ein Elektrokardiogramm (EKG). Pfleger Martin Rodewald ruft die diensthabende Internistin und Assistenzärztin Laura Mohring hinzu, sieht aber bereits infarkttypische Veränderungen im EKG. Auch der kardiologische Oberarzt der Medizinischen Klinik, Dr. Konstantin Schraepler, wird umgehend informiert. Es muss schnell gehen. Dr. Schraepler telefoniert mit Professor Dr. Rüdiger Blindt, dem Leitenden Arzt der Kardiologie, und meldet den Patienten im Herzkatheterlabor an. Über einen speziellen Notfallaufzug wird der Patient direkt aus der Notaufnahme dorthin gebracht. Er hat mittlerweile ein starkes Schmerzmittel bekommen. »Es ging alles sehr schnell«, erinnert sich der Softwareentwickler aus der Bremer Neustadt. »Ich weiß nur noch, dass man mir sagte, ich hätte einen Herzinfarkt und sei jetzt bei den Herzexperten, die sich um mich kümmern würden.«

Andreas Nustede erleidet einen Hinterwandinfarkt. Dabei verschließt sich die rechte Herzkranzarterie, welche die Rückwand des Herzens mit Blut versorgt. Auslöser ist seine bislang nicht entdeckte, schwere koronare Herzkrankheit. »Gerade die Symptome bei einem Hinterwandinfarkt sind nicht immer wie aus dem Lehrbuch«, erklärt Kardiologe Dr. Schraepler. »Umso wichtiger ist es, dass in der Notaufnahme alle Mitarbeiter aufmerksam sind und auch ungewöhnliche Anzeichen eines Infarktes richtig deuten«, betont der Oberarzt. »Eine halbe Stunde hat es von der Ersteinschätzung in der Notaufnahme, der sogenannten Triage, bis zur Therapie im Herzkatheterlabor gedauert – und das ohne Voranmeldung über den Rettungsdienst. Das ist super gelaufen, ich bin sehr stolz auf das Team.«

Herzexperte Rüdiger Blindt öffnet das verschlossene Herzkranzgefäß per Katheter und setzt eine Gefäßstütze (Stent) ein, die das Gefäß dauerhaft offen halten soll. Er entdeckt noch zwei weitere hochgradige Verengungen im Herzen des Bremers, die er am folgenden Tag behandelt. Nach den Eingriffen bleibt der Patient eine Nacht auf der Intensivstation, vier Tage später darf er nach Hause.

»Ich war nachts auf dem Sofa eingeschlafen und dachte, ich hätte mich verlegen«, erinnert sich Andreas Nustede. »Aber dass da etwas ganz und gar nicht stimmte, habe ich irgendwie doch gespürt. Es war ein lebensbedrohliches Gefühl.« Der Neustädter, der ganz in der Nähe der Klinik wohnt, war zu Fuß gekommen, nachdem die Schmerzen plötzlich so schlimm wurden, dass er sich übergeben musste und weder sitzen, liegen noch stehen konnte. »Ich hatte wahnsinniges Glück, dass ich so nah am RKK wohne und daher auch sofort ins Krankenhaus gegangen bin«, sagt er. »Und von dieser Erfahrung erzähle ich nun, weil es anderen helfen könnte.«

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v.l.n.r.: Bärbel Henkensiefken, Medizinische Fachangestellte in der Zentralen Notaufnahme, Professor Dr. Rüdiger Blindt, Leitender Arzt der Kardiologie, Martin Rodewald, Pfleger in der Zentralen Notaufnahme, Laura Mohring, Assistenzärztin in der Medizinischen Klinik, Dr. Konstantin Schraepler, kardiologischer Oberarzt in der Medizinischen Klinik

Kontakt

Professor Dr. Rüdiger Blindt
Ärztlicher Leiter Kardiologie
0421-5966-0621
blindt.r@roteskreuzkrankenhaus.de

Rotes Kreuz Krankenhaus
St.-Pauli-Deich 24
28199 Bremen
www.roteskreuzkrankenhaus.de

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