Freie Kliniken Bremen — Vierfach umsorgt

Brustkrebs

Expertin für die eigene Brust

Der Großteil aller Brustkrebstumore wird durch die Betroffenen selbst entdeckt. Im St. Joseph-Stift leitet eine sehbehinderte Tastexpertin Frauen an, ihre Brust selbst zu untersuchen.

Von Silke Meiners

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Jennifer Bruns, Medizinisch-Taktile Untersucherin

Obwohl die meisten Frauen wissen, dass sie regelmäßig ihre Brust abtasten sollten, tun sie es nicht oder nur unregelmäßig. Unter anderem, weil sie nicht wissen, worauf sie dabei achten müssen. »Das führt dann mitunter zu mehr Verunsicherung als Gewissheit«, sagt die Medizinisch-Taktile Untersucherin (MTU) Jennifer Bruns. Damit die Frauen zur Expertin für ihre eigene Brust werden, bietet die Tastspezialistin der Organisation ›discovering hands‹ seit Kurzem im St. Joseph-Stift eine Anleitung zur Taktilen Selbstuntersuchung (ATS) an. »Nicht jeder Knubbel muss ein Tumor sein, wichtig ist, dass die Frauen lernen, auf die Veränderungen zu achten«, erklärt Bruns. Einmal im Monat, zwischen dem dritten und zehnten Tag nach Beginn der Regelblutung, sollten Frauen sich Zeit nehmen, ihre Brüste abzutasten. Denn je früher ein Tumor entdeckt wird, desto besser ist er behandelbar. In der individuellen, einstündigen Schulung von Frau zu Frau leitet Bruns die Frauen so detailliert an, dass sie ihre Brüste später systematisch und gründlich selbst untersuchen können.

»Während der Anleitung habe ich die Möglichkeit, auf die jeweiligen Fragen oder anatomischen Besonderheiten der Frauen einzugehen. Das schätzen die Frauen am meisten«, so Bruns. Als Unterstützung für die Abtastung zu Hause erhalten alle Teilnehmerinnen noch ein Buch mit wichtigen Informationen rund um die Brustgesundheit. Es enthält die bebilderte Anleitung zum Selbsttasten und bietet die Möglichkeit, eigene Beobachtungen einzutragen. Derzeit müssen die Kosten für Schulung und Material noch von den Frauen selbst getragen werden.

 

Im Spiegel betrachten

Im ersten Schritt erläutert die MTU, auf welche anatomischen Besonderheiten die Frauen bei ihren Brüsten achten müssen. Dabei sollen sie ihre Brust im Spiegel mit locker herabhängenden und angewinkelten Armen betrachten. Gibt es Veränderungen in der Größe oder Form der Brust, ist eine Brustwarze eingezogen oder zeigt die Haut Auffälligkeiten?

Orientierende Betastung

Im Stehen oder Sitzen werden die Kursteilnehmerinnen anschließend angeleitet, sich einen ersten Tasteindruck von der Beschaffenheit der Brüste zu verschaffen. Dabei sollen sie sich ein von vorn auf die Brust projiziertes Uhrenzifferblatt vorstellen und sich ›Stunde für Stunde‹ mit leichtem Druck vorarbeiten. Gibt es eine Schmerzempfindlichkeit, Verhärtungen oder Temperaturunterschiede?

Systematisches Durchtasten

Nun folgt das Abtasten der Brüste im Liegen. In vier Zonen aufgeteilt wird jede Brust Zentimeter für Zentimeter untersucht – je nach Zone in Rücken- oder Halbseitenlage. Mit kleinen kreisenden Bewegungen von Zeige- und Mittelfinger werden in abwechselnd abwärts und aufwärts führenden Linien die Brüste durchgetastet.

Kontrolle der Brustwarzenregion

Nun richtet sich – weiter liegend – das Augenmerk auf die Brustwarze. Ist die Brustwarze gerötet oder geschwollen? Lassen sich Auffälligkeiten um oder direkt unter der Brustwarze tasten? Tritt vielleicht sogar Flüssigkeit aus?

Abtasten der Lymphregionen

Da Lymphknotenauffälligkeiten auch auf krankhafte Prozesse der Brust hinweisen können, schließt die Anleitung der MTU mit dem Abtasten der Regionen am Schlüsselbein und in der Achselhöhle.

Kontakt

Jennifer Bruns
Medizinisch Taktile Untersucherin am Institut für Radiologische Diagnostik
0421-347-1552
radiologie@sjs-bremen.de

Krankenhaus St. Joseph-Stift
Schwachhauser Heerstraße 54
28209 Bremen
www.sjs-bremen.de

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