Freie Kliniken Bremen — Vierfach umsorgt

Darmkrebs

Mit kleinen Schnitten Leben retten

Schnell, unkompliziert und effektiv: Mit einem minimalinvasiven Eingriff im Rotes Kreuz Krankenhaus Tumore zu entfernen, lohnt sich in jedem Alter.

Von Dorothee Weihe

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Die 90-jährige Vera Freiheit freut sich nach dem Krankenhausaufenthalt wieder auf Spaziergänge in der Natur.
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Dr. Alexander Friedemann, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

Blut im Stuhl: Dass so etwas ein Alarmzeichen ist und abgeklärt werden muss, weiß Vera Freiheit. Also geht die 90-Jährige zu ihrem Hausarzt, der sie zur Magenspiegelung ins Rotes Kreuz Krankenhaus (RKK) überweist. Die Magenschleimhaut ist in Ordnung – aber das Blut kommt wieder. Im Diagnostikzentrum der Klinik spiegeln die Gastroenterologen nun den Darm – und finden einen vier Zentimeter großen Tumor. Durch weitere Untersuchungen wie Ultraschall, Röntgen und Computertomografie schließen die Ärzte Tochtergeschwülste aus und können nun die genaue Lage des Tumors im Dickdarm ermitteln. Dr. Alexander Friedemann, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, vereinbart mit seiner Patientin, die notwendige Operation minimalinvasiv durchzuführen.

»Wir haben bei Frau Freiheit ein etwa 25 Zentimeter langes Stück des rechtsseitigen Dickdarms entfernt«, so Friedemann. »Das Dünndarmende wurde anschließend mit dem quer verlaufenden Dickdarm vernäht. Alle entlang der Blutgefäße laufenden Lymphknoten in diesem Bereich haben wir entfernt und untersucht.« Die einberufene Tumorkonferenz, ein Expertenkreis, bestehend aus Strahlentherapeuten, Onkologen, Radiologen, Pathologen, Internisten, Gastroenterologe, der onkologischen Fachkrankenschwester und den Bauchchirurgen, verzichtet auf die Empfehlung zur Chemotherapie. So wünscht es auch die Patientin.

Die ›Neubremerin‹, die erst Ende 2018 in die Nähe ihrer Tochter nach Bremen umzog, bleibt nach der OP eine Woche lang im RKK. »Vor Corona hatte ich keine Angst – das habe ich ausgeblendet. Ich habe mich einfach zusammengerissen – das kann ich«, sagt die rüstige Dame, die 1957 auf gefährlichen Wegen mit Mann und Töchterchen Monika aus Neubrandenburg nach Köln flüchtete und nach dem Tod ihres Mannes lange in der Eifel lebte. »Die Schwestern, Pfleger und Ärzte haben ihr Bestes getan, damit ich mich nicht einsam fühlte«, erinnert sie sich.

»Heute führen wir solche Eingriffe mit kleinen Schnitten minimalinvasiv durch«, erklärt Chefarzt Dr. Friedemann. Bei der sogenannten Laparoskopie kommt Hightech zum Einsatz: Über kleine Hülsen, Trokare genannt, werden die hochauflösende Kamera und kleine Geräte in die Bauchhöhle eingeführt. Mithilfe großer HD-Monitore können die Operateure den Eingriff kontrollieren. »Mit wenige Millimeter breiten Geräten führen wir sehr komplexe Operationen im Bauchraum durch«, erläutert Friedemann. »Wir entnehmen Proben, entfernen Teile des Darms und legen sogar Nähte an. Auch spezielle Klammernahtgeräte können wir über die Trokare einführen und einsetzen«, sagt der Bauchspezialist.

Schnell, unkompliziert und effektiv mit einem minimalinvasiven Eingriff helfen zu können, das ist nicht immer so leicht möglich wie in diesem Fall. Aber durch den technischen Fortschritt, schonendere Narkoseverfahren und die ausgewiesene Expertise des Behandlungsteams kann auch im höheren Alter ein solches Therapiekonzept immer noch angeboten werden.

Was wünscht sich eine 90-jährige Dame mit bewegter Vergangenheit für die Zukunft? »Ach, einfach wieder am Werdersee spazieren zu gehen, einen Hund zu streicheln und den Kindern beim Spielen zuzusehen – darauf freue ich mich«, sagt Vera Freiheit. Dem dürfte schon sehr bald nichts mehr im Wege stehen.

Kontakt

Dr. Alexander Friedemann
Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
0421-5599 241(Sekretariat)
friedemann.a@roteskreuzkrankenhaus.de

Rotes Kreuz Krankenhaus
St.-Pauli-Deich 24
28199 Bremen
www.roteskreuzkrankenhaus.de

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