Freie Kliniken Bremen — Vierfach umsorgt

Endometriose

»Unberechenbar«

Viele Frauen leiden unter starken Menstruationsschmerzen. Diese können ein Zeichen für Endometriose sein. Dr. Katarina Dennis und Dr. Lotta Zech von der Frauenklinik des St. Joseph-Stift erklären, wie sie sich erkennen lässt und warum eine individuelle Therapie wichtig ist.

Interview: Fiona Müller

Dr. Katarina Dennis und Oberärztin Dr. Lotta Zech
Die verbesserte Diagnostik mittels vaginalen Ultraschalls macht es Dr. Katarina Dennis, Leitende Oberärztin der Frauenklinik des St. Joseph-Stift, rechts, und ihrer Kollegin, Oberärztin Dr. Lotta Zech, wesentlich leichter, eine Endometriose festzustellen
1. Leber
2. Gallenblase
3. Niere
4. Dünndarm
5. Gebärmutterhöhle
6. Zwerchfell
7. Bauchspeicheldrüse
8. Endometriose
9. Dickdarm
10. Eileiter
11. Eierstock
12. Vagina

Gesundheit Bremen: Welche Symptome weisen auf eine mögliche Endometriose hin?
Dr. Katarina Dennis: Neben starken Menstruationsschmerzen können auch Schmerzen beim Wasserlassen, beim Stuhlgang oder beim Geschlechtsverkehr auftreten. Zudem können die Schmerzen bis in den Oberbauch sowie die Schultern oder Beine ausstrahlen. Auch ein unerfüllter Kinderwunsch kann ein Anzeichen für Endometriose sein.
Dr. Lotta Zech: Endometriose gilt als das ›Chamäleon der Gynäkologie‹. Der Krankheitsverlauf hat viele Gesichter. Das eine typische Symptom gibt es nicht und die Beschwerden richten sich auch nicht nach der Menge des sich entwickelnden Endometriosegewebes. Das macht die Erkrankung so unberechenbar. Außerdem wird Frauen auch heute noch viel zu oft vermittelt, starke Schmerzen gehörten zum Zyklus.

Viele Betroffene erleben, dass ihre Schmerzen, Erschöpfung, depressiven Verstimmungen oder Ängste nicht ernst genommen werden. Was raten Sie?
Zech: Keine Frau muss heute noch diese Beeinträchtigungen hinnehmen und mit ihnen leben. Wenn der Alltag, Beruf, Schule oder die Teilnahme am sozialen Leben stark eingeschränkt sind, verdient dies Aufmerksamkeit, eine gezielte Abklärung sowie eine Behandlung.
Dennis: Schmerzen dieser Art gehen deutlich über das normale Maß hinaus und können zu schwerwiegenden Folgen wie einem chronischen Schmerzsyndrom führen. Auch finanzielle Auswirkungen durch eingeschränkte Belastbarkeit oder häufige Fehlzeiten werden oft unterschätzt. Eine frühzeitige Diagnose und ein langfristiges Therapieschema sind daher sehr wichtig.

Hier hat sich in den letzten Jahren viel getan. Was genau?
Dennis: Wir haben es uns zur zentralen Aufgabe gemacht, betroffene Frauen auf ihrem Weg zu mehr Lebensqualität zu begleiten. Entscheidend ist die Erstellung eines ganz individuellen Therapiekonzeptes, abhängig vom Alter, den Beschwerden und einem vielleicht noch unerfüllten Kinderwunsch der Patientin. Die Behandlung beinhaltet medikamentöse, operative und integrative Ansätze – von Schmerzmitteln über Hormontherapie bis hin zu Physioherapie und Psychotherapie. Wichtig ist auch: Es wird heute gezielter und seltener operiert.
Zech: Genau, durch die verbesserte Diagnostik mittels vaginalen Ultraschalls kann die Erkrankung präoperativ besser eingeschätzt sowie mithilfe des sogenannten ENZIAN-Klassifikations-Systems, das verschiedene Aspekte der Erkrankung beschreibt, viel präziser eingeschätzt werden. Dennoch gibt es Grenzen der Ultraschalldiagnostik: Zum Beispiel können die oberflächlichen Herde, die im Bauchfell wachsen, nicht dargestellt werden – umso wichtiger ist die individuelle Betreuung. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit jeder Patientin einen Weg zu finden, der zu ihr passt.

Das St. Joseph-Stift bereitet sich auf die angestrebte Zertifizierung als Endometrioseklinik vor. Diese ist für Ende des Jahres geplant.

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Endometriose

Endometriose ist gutartig, verläuft jedoch chronisch: Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, wächst außerhalb der Gebärmutterhöhle. Es kann sich prinzipiell überall ansiedeln – in erster Linie an den Eierstöcken, im Bauch- und Beckenraum, am Darm oder Bauchfell, in seltenen Fällen sogar in der Lunge. Bei 40 bis 50 Prozent der Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben, ist Endometriose die Ursache.

Kontakt

Dr. Katarina Dennis
Leitende Oberärztin der Frauenklinik und Leiterin des MIC- und Endometriose-Zentrums
Dr. Lotta Zech
Oberärztin in der Frauenklinik
0421 347-1309
mic@sjs-bremen.de

Krankenhaus St. Joseph-Stift
Schwachhauser Heerstraße 54
28209 Bremen
sjs-bremen.de
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