Rheuma
Wenn der Wolf erwacht
Viele rheumatische Erkrankungen, die im Rotes Kreuz Krankenhaus behandelt werden, sind Autoimmunerkrankungen, bei denen das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise gesundes Gewebe angreift. Ein Beispiel, das vor allem Frauen betrifft: Lupus erythematodes.


Yvonne Meier1 ist 30 Jahre alt, als die Schmerzen in ihren Fingergelenken und in der Schulter beginnen. Ihr Hausarzt überweist sie zum Orthopäden, der Orthopäde zur Neurologin – die Ursache der Schmerzen bleibt unklar. »Ich war ständig müde, mir war übel, meine Füße waren angeschwollen. Die Ärzte haben gedacht, es könnte eine Borreliose sein«, erinnert sich die Bremerin. Die folgende antibiotische Behandlung löst eine allergische Reaktion aus. Im Gesicht entsteht ein starker roter Ausschlag. In der Hautklinik im Klinikum Bremen-Ost wird ein Schmetterlingserythem diagnostiziert. Die Rötung erinnert an die ausgebreiteten Flügel eines Schmetterlings. Plötzlich versagen die Nieren der jungen Bankkauffrau. Ein neuer Verdacht steht im Raum: systemischer Lupus erythematodes (SLE), eine seltene Autoimmunerkrankung. Unverzüglich wird die Patientin ins Rheumazentrum des Rotes Kreuz Krankenhaus (RKK) verlegt, das in Bremen über gebündelte Expertise in Immunologie und Rheumatologie verfügt.
»Erst kam der Hautausschlag, dann die Organbeteiligung.«
Christina Hillebrecht, Oberärztin im Rheumazentrum des RKK
»Dies war ein typischer SLE-Verlauf«, erklärt Christina Hillebrecht, Oberärztin im Rheumazentrum des RKK. »Erst kam der Hautausschlag, dann die Organbeteiligung.« Die Bezeichnung ›Lupus‹ (= lateinisch für Wolf) rührt ursprünglich daher, dass die einsinkenden Narben einer nicht behandelten Erkrankung früher für die Menschen wie Wolfsbisse aussahen. Etwa 30.000 bis 40.000 Deutsche leiden an SLE, etwa 90 Prozent davon sind Frauen. Die genauen Ursachen sind unklar. Meist taucht die Erkrankung im gebärfähigen Alter zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. »Lupus ist eine schwerwiegende Krankheit und kann viel kaputt machen. Hirn, Nerven, Nieren, Herz, Lunge können betroffen sein, Gerinnungsstörungen entstehen, Schlaganfall oder psychiatrische Probleme folgen«, erläutert die erfahrene Rheumatologin.
Im RKK ist Eile geboten. Eine Nierenbiopsie und weitere dermatologische Untersuchungen bestätigen die Diagnose. »Zunächst haben wir uns um die Nierenfunktion gekümmert. Dann haben wir eine Chemotherapie, die gezielt das körpereigene Immunsystem unterdrückt, eingeleitet«, beschreibt Hillebrecht die Behandlung.
Yvonne Meiers Zustand bessert sich rasch: Der Gesichtsausschlag verschwindet nach zwei Wochen, die Nieren erholen sich in sechs Monaten komplett. »Viele Frauen wirft die Diagnose völlig aus der Bahn«, weiß die Oberärztin. So auch Yvonne Meier: »Ich war völlig fertig, hatte schlimme Ängste.« Heute, fünf Jahre später, führt sie ein normales Leben. Sie nimmt täglich Medikamente und kommt regelmäßig entspannt zur Kontrolle in die Klinik, da sie weiß, dass Lupus zwar nicht heilbar ist, die Symptome aber beherrschbar sind.
SLE-Patientinnen mit Kinderwunsch empfiehlt Hillebrecht eine umfassende ärztliche Beratung: »Bestimmte Medikamente können während einer Schwangerschaft nicht oder nur bedingt eingesetzt werden. Auch gibt es ein erhöhtes Komplikationsrisiko für Mutter und Kind. Eine Schwangerschaft bei SLE gilt deshalb als Risikoschwangerschaft.«
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Name von der Redaktion geändert. ↩︎
Kontakt
Christina Hillebrecht
Oberärztin der Klinik für Internistische Rheumatologie
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Rotes Kreuz Krankenhaus
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