Freie Kliniken Bremen — Vierfach umsorgt

Osteoporose

»Niemand sollte auf den ersten Bruch warten«

Eine der häufigsten Volkskrankheiten im Alter ist Osteoporose. Frauen sind besonders betroffen. Welche Vorsorge es gibt und wann eine Behandlung notwendig wird, erklärt Klaus-Eberhard Kirsch, Chefarzt des Wirbelsäulenzentrums der Roland-Klinik.

Interview: Tine Klier

Ab dem 30. Lebensjahr baut der Körper mehr Knochenmasse ab, als er aufbaut – hier zu sehen an den porösen Wirbeln. Das Risiko für Brüche steigt, bei Frauen begünstigt durch Östrogenmangel nach den Wechseljahren.
Klaus-Eberhard Kirsch, Chefarzt des Wirbelsäulenzentrums der Roland-Klinik

Gesundheit Bremen: Herr Kirsch, warum sollten insbesondere Frauen das Thema Osteoporose ernst nehmen?
Klaus-Eberhard Kirsch: Osteoporose ist eine Erkrankung, die lange keine Beschwerden verursacht und deshalb oft erst sehr spät erkannt wird. Frauen erkranken deutlich häufiger als Männer. Der Grund liegt vor allem im sinkenden Östrogenspiegel nach den Wechseljahren, der den natürlichen Knochenabbau beschleunigt. Die Knochen werden poröser und verlieren an Stabilität.
Das Problem: Viele Wirbelbrüche entstehen nicht durch einen Sturz, sondern im Alltag. Betroffene fühlen sich gesund, bis es zu einem Bruch kommt – manchmal reicht dafür schon Husten, Niesen oder das Heben einer Einkaufstasche. Deshalb ist es so wichtig, die Knochendichte rechtzeitig überprüfen zu lassen.

Wie macht sich ein osteoporotischer Wirbelbruch bemerkbar?
Oft treten plötzlich starke Rückenschmerzen auf. Manche bemerken eine zunehmende Rundrückenbildung, den sogenannten Witwenbuckel. Dieser verändert die gesamte Statik der Wirbelsäule und kann ebenfalls zu Beschwerden führen. Wichtig ist zu wissen: Nicht die Osteoporose verursacht die Schmerzen, sondern erst der entstandene Wirbelbruch kann heftige Schmerzen verursachen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Zunächst wird häufig konservativ behandelt – mit Schmerzmitteln, einem stützenden Korsett zur Ruhigstellung und regelmäßigen Verlaufskontrollen mittels Röntgenaufnahmen. Gleichzeitig sollte die Osteoporose selbst behandelt werden. Medikamente können den weiteren Knochenabbau bremsen und teilweise auch den Knochenaufbau fördern. Bleiben die Schmerzen stark oder zeigt sich in den Kontrollen, dass der Wirbel weiter einzubrechen droht, kann eine Operation sinnvoll sein. Ein bewährtes Verfahren ist die Kyphoplastie. Dabei wird unter Röntgenkontrolle spezieller Knochenzement in den gebrochenen Wirbelkörper eingebracht, um ihn zu stabilisieren. In schwereren Fällen kann zusätzlich eine Versteifung mit Schrauben und Stäben notwendig werden, sehr selten sogar der Ersatz eines Wirbelkörpers. Allerdings erschwert eine Osteoporose jeden Wirbelsäuleneingriff, weil die Knochen weniger Halt bieten. Es besteht grundsätzlich das Risiko, dass weitere Wirbel brechen. Deshalb ist neben der Frakturbehandlung immer auch die konsequente Therapie der Osteoporose durch Vitamin D, Kalzium und spezifische Medikamente entscheidend. Bewegung, Muskeltraining sowie eine kalziumreiche Ernährung können dazu beitragen, die Knochen möglichst lange gesund zu erhalten.

Was raten Sie unseren Leserinnen?
Osteoporose tritt tatsächlich sehr häufig auf, aber niemand sollte auf den ersten Bruch warten. Wer Risikofaktoren hat – wie beispielsweise Osteoporose in der Familie, Rheuma oder Kalziummangel – oder in den Wechseljahren ist, sollte frühzeitig eine Knochendichtemessung in Betracht ziehen. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto eher lassen sich die Gefahr schmerzhafter Wirbelbrüche und deren Folgen reduzieren.

Kontakt

Klaus-Eberhard Kirsch
Chefarzt des Wirbelsäulenzentrums
0421 8778-292
wirbelsaeulenzentrum@roland-klinik.de

Roland-Klinik
Niedersachsendamm 72/74
28201 Bremen
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