Freie Kliniken Bremen — Vierfach umsorgt

Beckenbodensenkung

Einfache Lösungen gibt es nicht

Fremdkörpergefühl, Entzündungen, gestörte Blasenfunktion bis hin zu Nierenschäden: Eine Senkung 
des Beckenbodens kann für Frauen unangenehme und ernste Folgen haben. Der operative Einsatz von 
Netzen kann Abhilfe schaffen.

Von Pia Zarsteck

v.l.: Dr. Kerstin Volkmer, Dr. Sabine Gaiser
Ihr Ziel ist es, die Beschwerden von Patientinnen mit Beckenbodensenkung zu lindern. Dr. Kerstin Volkmer und Dr. Sabine Gaiser leiten gemeinsam das Beckenbodenzentrum des St. Joseph-Stift.

Der weibliche Beckenboden ist ein kompliziertes, bindegewebigmuskulöses Gebilde in der Beckenhöhle. Seine Behandlung erfordert von Medizinern einige Expertise. Zum Beispiel die von Dr. Sabine Gaiser und Dr. Kerstin Volkmer, den Leiterinnen des Beckenbodenzentrums des St. Joseph-Stift. »Die Senkung des Beckenbodens kann verschiedene Ursachen haben, wie Geburten, körperliche Belastung, Übergewicht sowie Alterungsprozesse und Hormonmangel«, erklärt Frauenärztin Gaiser. Frauen mit Beschwerden rät sie, ihren Gynäkologen für eine erste Untersuchung aufzusuchen und sich über mögliche Therapieformen zu informieren.

Erst wenn konservative Therapieansätze, Medikamente und Hilfsmittel, wie beispielsweise angeleitetes Beckenbodentraining, Schalen- und Würfel-Pessare, nicht mehr helfen, kommt für die Gynäkologinnen ein operativer 
Eingriff infrage. »Es gibt heutzutage viele verschiedene operative Möglichkeiten, die individuell auf das Beschwerdebild und das Alter der Patientin abgestimmt sind. Die schnelle und einfache Lösung gibt es nicht«, betont Gaiser. »Früher wurde Frauen bei Senkungsbeschwerden einfach die Gebärmutter entfernt und die Scheide enger genäht«, erläutert sie die radikalen Behandlungsmethoden der Vergangenheit. »Heute gibt es mehr und vor allem bessere Behandlungsmethoden«, ergänzt ihre Kollegin Volkmer.

Eine davon ist das operative Einsetzen von Netzen. Die feinmaschigen Netze aus medizinischem Kunststoff heben den abgesenkten Beckenboden an, bringen die Organe in ihre ursprüngliche Lage zurück und halten sie dort dauerhaft. Sie werden per Bauchspiegelung, Bauchschnitt oder durch die Scheide eingesetzt und entweder an der Gebärmutter oder an der Scheidenwand angebracht. Moderne Materialien sind dabei möglichst spannungsfrei. »Grundsätzlich gilt es, in der Erstversorgung das Eigengewebe zu raffen und anzuheben, bevor körperfremdes Material eingesetzt wird«, unterstreicht Gaiser.

Individuelle Beratung notwendig

Damit jede Patientin die individuell beste Behandlung erhält, wägen die Expertinnen immer genau ab, welche Methode die passende ist. »Probleme machen wiederkehrende Senkungen, die mit den Jahren auftreten können«, merkt Volkmer an. »Hier kommen die Netze zum Einsatz.« Auch mögliche Folgebeschwerden behalten die Oberärztinnen der Frauenklinik stets im Blick. »Der Beckenboden und seine Funktionen sind ein sehr komplexes Zusammenspiel, das nicht bloß für Laien schwer verständlich ist«, betont Gaiser. »Unsere Aufgabe ist es nicht nur, die Anatomie wiederherzustellen, sondern vor allem die Beschwerden der Patientinnen zu lindern.«

Kurz & knapp

Beckenbodensenkung

Im Laufe ihres Lebens leiden etwa 30 bis 50 Prozent der Frauen an einer Beckenbodensenkung. Ausgelöst zum Beispiel durch Schwangerschaft und Entbindung, Östrogenmangel oder Übergewicht verlieren Blase, Darm und Gebärmutter den Halt im kleinen Becken. Die auftretenden Symptome hängen davon ab, welche Organe von der Absenkung betroffen sind und wie sehr sich die Lage der entsprechenden Organe verändert hat. Die Behandlung von Senkungen richtet sich nach Art und Ausmaß der Beschwerden.

Kontakt

Dr. Sabine Gaiser / Dr. Kerstin Volkmer
Leitung Beckenbodenzentrum
0421-347-1367
beckenbodenzentrum@sjs-bremen.de

Krankenhaus St. Joseph-Stift
Bremen
Schwachhauser Heerstraße  54

28209 Bremen

www.sjs-bremen.de

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